Jan Duensing


  • Webseite:

  • E-Mail:j.duensing@verein-fuer-vielfalt.de

  • Telefon Nr.:

  • Sprachen: Deutsch

    Themen: Homophobie, Anti-Diskriminierung, Männlichkeit(en)

    Stadt: Lüneburg, Dresden (Sachsen)

    Geburtsjahr: 1966

    Funktion im Sport: Ex-Amateurfußballspieler, Gründer "Feiner Fußball"

Wer ins „Gerede“ kommt, kann nur gewinnen!

Auch wenn sich der Abend bereits ankündigt, sind wir froh, noch ein Schattenplätzchen im gut gefüllten Dresdner Biergarten ergattert zu haben. Nein, er stamme nicht aus Dresden, erzählt mir Jan Duensing (geb. 1992), zum Studium sei er hierhergekommen, aufgewachsen sei er am anderen Ende Deutschlands, in der Nähe von Mainz. Und schon sind wir mittendrin in seiner Lebensgeschichte.

Seine Jugendzeit schildert Jan als normal und eher unspektakulär. Schon früh geht er zum Fußball und spielt sich von der Jugend-F-Mannschaft aufwärts. Zunächst übernimmt er die Aufgabe des Torhüters, da der Posten zwischen den Pfosten wohl nicht so begehrt ist. Als die Jugend dann aber auf den großen Platz wechselt, stimmen die Größenverhältnisse nicht mehr und er geht aufs Feld in die Außenverteidigung. Ob er auch mal daran gedacht habe, Profi zu werden, will ich wissen, dafür hätte sein Talent wohl nicht ausgereicht, meint Jan.  Ein paar Jahre betreut er auch Jugendmannschaften als Trainer. Ja, das Fußballspielen habe wirklich einen entscheidenden Teil seines sozialen Lebens ausgemacht, vor allem in der Pubertät.

Mit ungefähr 16 Jahren verliebt er sich in einen Mitspieler, eine ganz neue Seite entdeckt er da an sich, mit der er zunächst nichts anzufangen weiß, denn Vorbilder gibt es nicht in seiner Umgebung, nur Geschichten von Prominenten in den Medien, und die taugen bekanntlich nur wenig als role models. Er behält alles für sich, stellt sich viele Fragen und hat bald das Gefühl, irgendwie nicht dazuzugehören. Nach dem Abitur geht er für ein Jahr nach Indien und absolviert dort ein Freiwilliges Soziales Jahr. Viel Zeit zum Nachdenken habe er dort gehabt, sagt Jan.

Nach seinem Auslandsaufenthalt nimmt Jan ein Philosophiestudium in Dresden auf. Dort führt ihn schließlich sein Weg zum Verein für Menschen mit vielfältigen Lebensweisen „Gerede“. Hier begegnet er in entspannter Atmosphäre Menschen, die sich ähnliche Fragen stellen wie er, er fühlt sich gut aufgehoben und dazugehörig. Das aber reicht ihm nicht, er möchte sich engagieren und nimmt aktiv teil am Projekt „Liebesleben“, das Aufklärungsarbeit in Schulen leistet. Diese Arbeit macht Jan drei Jahre lang mit großer Freude; er kann gut zuhören und Inhalte verständlich transportieren, er kommt rasch in Kontakt mit anderen und die anderen fassen rasch Vertrauen zu ihm, das bestätigen ihm die Rückmeldungen. „Das klingt ja nach perfektem Kommunikator“, lobe ich ihn! Ja, gelingende Kommunikation sei eben wie flüssiges Passspiel: jeder muss seinen Part übernehmen, damit es nicht zum Stocken, sondern zu einem guten Abschluss kommt.

Jan hat sein Studium inzwischen abgeschlossen und macht sich nun als Rhetorik-Trainer und Moderator selbstständig. Ja, er hat gewiss profitiert davon, dass er ins „Gerede“ gekommen ist.


Karl B. Robel, 01.08.2016