Mario Müller


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  • E-Mail:m.mueller@verein-fuer-vielfalt.de

  • Telefon Nr.:

  • Sprachen: Deutsch, Englisch

    Themengebiete: Homophobie, Sexismus, Rassismus

    Geburtsjahr: 1988

Eigentlich wollte ich immer nur Fußball spielen!

 

Und das tat er auch, mit großer Leidenschaft. Mario Müller (28) spielte bis zu seinem 16. Lebensjahr in der Mannschaft in der Nähe seines Heimatortes in der Pfalz, und entschied sich dann, die Trainerlaufbahn einzuschlagen.

 

Nach sechs Jahren, in denen er die Jugendmannschaft direkt am Heimatort erfolgreich trainierte, war die Zeit reif für eine neue Herausforderung. Er wechselte in eine kleine Stadt in der Nähe, um dort die A-Jugend der Regionalliga als Trainer zu betreuen.  Eine neue Aufgabe zu meistern war das eine, es gab jedoch noch einen anderen, persönlichen Grund für diese Veränderung. Mario entdeckte eine Seite an sich, die ihm bis dahin fremd und auch nicht wichtig war, da er ja eigentlich immer nur Fußball spielen wollte, für anderes war da kein Platz. Behutsam öffnete er sich Freunden gegenüber, um Reaktionen darauf zu testen, dass ihm Männer als Partner lieber waren als Frauen. Aber Freunde sind nun einmal Freunde, der Sport jedoch, und der Fußball ganz besonders, werden von ganz anderen Regeln beherrscht.

 

In seinem letzten Trainerjahr in der Heimatstadt glaubte er, einige seiner Vereinskameraden könnten etwas ahnen, deshalb dachte er, „woanders kann man das besser verheimlichen“. An seiner neuen Wirkungsstätte engagierte er sich noch mehr als zuvor für den Fußball und sagte sich: „Ich entscheide mich für den Fußball und nicht für das Schwulsein!“ Das war natürlich zu kurz gedacht.

 

Einige Zeit konnte er diesen Teil seines Lebens noch geheim halten; bald merkte er allerdings, dass es in seinem Umfeld Menschen gibt, die ihn zwangsouten wollen, und dem wollte er auf jeden Fall zuvorkommen. Als Trainer einer Regionalligamannschaft suchte er daraufhin ganz bewusst die Öffentlichkeit; zuvor wollte er sich aber noch vergewissern, ob der Verein  auch hinter ihm stünde. Er bat die Vorstandschaft  um ein Treffen, eröffnete ihr, er habe einen Freund und wolle das auch öffentlich machen. Man wolle ihn bei seinem Outing begleiten und unterstützen, die Mannschaft solle er aber auf jeden Fall vorher informieren.

 

So ein Schritt will natürlich gut vorbereitet sein; Mario sprach das Thema bei drei Spielern an, die durchaus positiv reagierten und meinten, sich zu outen sei eine gute Sache; er entschloss sich daraufhin, vor einer Trainingseinheit in der Kabine die gesamte Mannschaft in Kenntnis zu setzen. Ein Vertreter der Vorstandschaft begleitete ihn. „Mario möchte euch etwas sagen, und wir stehen voll zu ihm“, hieß es, und Mario sagte nur: „Ich habe keine Freundin, sondern einen Freund!“ Dann war es erst einmal lange still, für Mario eine gefühlte Ewigkeit. Schließlich meinte einer der Spieler: „… is‘ doch okay!“ Andere stimmten ihm zu, schließlich fragte ein weiterer: „Können wir jetzt endlich trainieren?“ Beim Rausgehen auf den Platz gab’s noch freundschaftliches Schulterklopfen und das Training verlief wie immer, ganz normal.

Zwei Spieler allerdings wollten nicht mehr gemeinsam mit allen anderen unter die Dusche. „Gibt’s ein Problem?“, wollte Mario wissen, „ja!“, kam zur Antwort, „du warst immer ein Vorbild für uns, und jetzt … wissen wir nicht so recht …“; nach ein paar Wochen war auch dieses Problem aus der Welt. Von Seiten der Eltern gab es durchweg positive Reaktionen; auf dem Platz schien man auf einmal besonders sensibilisiert für das Thema und entschuldigte sich gleich für die sonst üblichen Sprüche wie „ey, was war das denn für ‚n schwuler Pass?“

Natürlich gibt es immer auch negative Reaktionen; ein gegnerischer Spieler warf ihm zum Beispiel ein „du Schwuchtel“ an den Kopf, auch auf Internetportalen wurde er beschimpft, er solle gefälligst keine Kinder und Jugendlichen mehr trainieren, im Großen und Ganzen aber fand sein Coming-out auch im Netz breite Unterstützung. Mario Müller suchte wie gesagt ganz bewusst die Öffentlichkeit, gab Interviews, trat im Fernsehen auf, ein mutiger und vorbildlicher Schritt.

Nach über10 Jahren erfolgreicher Jugendarbeit wechselt er nun in die Bezirksklasse, um eine Herrenmannschaft zu trainieren. Das Entscheidende ist eben, dass er ein hervorragender Trainer ist, oder?


KaRob31012016